Interview: Agile Transformation und Geschäftsmodellentwicklung

Interview mit Gabriele Walter für berater.de zum Thema Agile Transformation und Geschäftsmodellentwicklung.

Ihr Name und Ihr fachlicher Schwerpunkt?

Mein Name ist Gabriele Walter. Ich komme ursprünglich aus der Qualitativen Marktforschung und bin jetzt als Agile Consultant tätig. Mein Schwerpunkt liegt im Bereich der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und der Gestaltung und Begleitung agiler Transformationsprojekte für Startups und KMU. 

Erzählen Sie uns mehr, warum Sie sich entschieden haben als freiberuflicher Berater tätig zu sein? Und warum auf berater.de?

Als Beraterin ist es mir sehr wichtig, dass Beratungsleistungen individuell auf den Bedarf des Kunden ausgerichtet sind, bzw. dass ich für komplexe Kundenanforderungen auch einen unkonventionellen Lösungsweg gemeinsam mit dem Kunden gehen kann. Als Freelancerin kann ich mich unabhängig auf die Bedürfnisse des Kunden fokussieren, unterliege keinem Regelwerk, das kreative Lösungen verhindert und kann mit dem Kunden die beste Lösung für die Aufgabenstellung entwickeln.

Mit berater.de habe ich die Chance, meine Expertise in unterschiedlichen Branchen bzw. für unterschiedliche Fragestellungen zu erweitern, eine wichtige Voraussetzung für kreative Lösungen von komplexen Aufgabenstellungen.

Wie kam es dazu, dass Sie sich genau auf die Bereiche Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und agile Transformation spezialisiert haben?

Vor ca. 8 Jahren hat es sich abgezeichnet, dass ein großer Wandel im Bereich der Marktforschung eintreten wird. Themen wie agile Transformation, agile Produktentwicklung und Change-Management haben zunehmend an Bedeutung gewonnen und auch die Marktforschungsbranche beeinflusst. Da ich Veränderungen gegenüber offen bin, habe ich nach neuen Herausforderungen gesucht. Die Möglichkeit beide Themen Marktforschung und Agile Consulting erfolgreich zu verknüpfen, haben mich zur Ausbildung zum Agile Coach motiviert. Der Mehrwert der Kombination zahlt sich heute, insbesondere wenn es um die Entwicklung von Geschäftsmodellen geht, erfolgreich für meine Kunden aus.

Wenn Sie ein Prinzip aus Ihrer Beraterkarriere wählen könnten, welches wäre es und was macht es so besonders? 

Der Anspruch eines ganzheitlichen Beratungskonzepts ist für mich zentral. Eine holistische Analyse der Fragestellungen und der Unternehmenssituation haben sich in meinen Beratungsprojekten immer als essenzielle Erfolgsfaktoren erwiesen. Voraussetzung hierfür ist eine breite Expertise in unterschiedlichen Aufgabengebieten und Disziplinen.

Eine umfassende „Actual state analysis“ hat sich als Standardtool zu Beginn meines Beratungskonzeptes etabliert. Im Rahmen meiner unterschiedlichen Projekte hat es sich immer wieder gezeigt, dass eine erfolgreiche maßgeschneiderte Lösung bzw. Strategie nur dann entwickelt werden kann, wenn man den Status Quo der Unternehmenssituation genau versteht, sowie Risiken und Chancen eines Unternehmens umfassend identifiziert.

Zu meinem ganzheitliche Beratungsansatz gehört auch die vernetzte Zusammenarbeit mit anderen Experten/ Expertinnen.  Zum Beispiel, es werden häufig aufwändige Unternehmensstrategien und Geschäftsmodelle für Startups entwickelt, die am Ende aufgrund fehlender Finanzierungsmöglichkeiten scheitern.  Deshalb arbeite ich hier eng mit einer Finanzexpertin für Unternehmensgründung zusammen, denn nur so kann ich meinem Anspruch einer ganzheitlichen Beratung gerecht werden.

Nennen Sie bitte 3 key facts, die ihrer Ansicht nach die jetzige Situation des Mittelstands beschreiben:

1. Digitalisierung und Agilität

2. Fachkräftemangel und Mitarbeiterentwicklung

3. Erreichung der Klimaziele, CO2 Kosten

Warum finden Sie genau diese 3 key facts am relevantesten?

  1. Die Corona Krise hat deutlich aufgezeigt, dass eine Mehrzahl der Unternehmen des deutschen Mittelstands Defizite hinsichtlich der Wandelbereitschaft, der agilen Arbeitsweisen und der Digitalisierung aufzeigt. Transformation in das digitale Zeitalter wird hier oft als Zwang und nicht als Chance erlebt. Für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft ist es aber sehr wichtig die Veränderungsbereitschaft des Mittelstands zu erhöhen.
  2. Mitarbeiter*innen sind eine knapper werdende Ressource und das Kapital eines Unternehmens. Viele Chancen zur Personalentwicklung und auch Weiterbildung bleiben leider ungenutzt, aus Unwissenheit und mangelnder Aktivität attraktive Anreize im Bereich Personal Recruiting anzubieten. Die Faustregel 20% der Arbeitszeit in Weiterbildung zu investieren, wird nicht umgesetzt, obwohl genau das sich vielleicht positiv im Hinblick auf den Fachkräftemangel auswirken könnte.
  3. Die Anforderungen an den Mittelstand zur Erreichung der Klimaziele sind hoch und fordern ein hohes Investment ein. Vielfach fehlen noch die Umsetzungsstrategien und auch die Informationen wie der Staat zukünftig den Mittelstand fördert.

Welche sind aus Ihrer Sicht als Berater im Bereich des Mittelstands die größten Herausforderungen, die die Unternehmen in der jetzigen Marktsituation bewältigen müssen?

  1. Die größte Herausforderung ist die Balance zu finden zwischen der Erfüllung notwendiger Maßnahmen und der Belastbarkeit für Unternehmen und Mitarbeiter*innen. Patentrezepte sind zwar verlockend unkompliziert, Unternehmen müssen aber individuelle Lösungen entwickeln und realistische Ziele bzw. Strategien definieren.
    Denn gerade schnell umsetzbare Maßnahmen, die einen schnellen Nutzen bringen, können Motivator für eine höhere Wandelbereitschaft sein. Wichtig ist hierbei, dass Zwischenziele regelmäßig in kurzen Zyklen überprüft werden, die OKR Methode kann hier sehr nützlich sein.
  2. Gerade in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass viele erfolgsversprechende, innovative Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien vom Mittelstand entwickelt werden, diese aber nicht konsequent umgesetzt werden. Für die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere im internationalen Markt, besitzt eine konsequente Umsetzung aber hohe Priorität.
  3. Auch die Themen Transformation, Wandel der Unternehmenskultur wird einige Unternehmen vor die Frage stellen, wie viel Agilität und New Work verkraften die Mitarbeiter*innen. Gerade die mittlere Führungsebene sieht sich, ähnlich wie in Großunternehmen, in ihrer Rolle gefährdet. Eine erfolgreiche Umsetzung von Transformationsmaßnahmen kann deshalb nur dann gelingen, wenn ein Commitment bei allen Mitarbeiter*innen besteht.

Geben Sie uns bitte Ihre Prognose über die Entwicklung des Mittelstands kurz-, mittel- und langfristig?

Nie waren die Vorhersagen wie sich die Wirtschaft entwickeln wird, so schwierig wie aktuell. Selbst Wirtschaftsweisen müssen immer wieder ihre Prognosen anpassen. Viele Unwägbarkeiten konfrontieren den Mittelstand:  Welche Auswirkung hat eine 4. Corona Welle? Wie wird sich die Weltwirtschaft entwickeln? Welchen Einfluss nimmt die chinesische Marktmacht, z.B. im Bereich Maschinenbau, Investitionsgüter ein? Wie schnell lässt sich der Mittelstand in das digitale, agile Zeitalter transferieren? Usw.

Grundsätzlich kann man sagen, Unternehmen, die flexibel agieren, Mut zur Veränderung haben und mit innovativen Geschäftsmodellen sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, werden die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen besser bewältigen.

Mittel- bis langfristig gesehen muss die Innovationskraft des deutschen Mittelstands gestärkt werden, die Personalentwicklung wird hier eine entscheidende Rolle spielen, der Kampf um die besten Köpfe hat schon begonnen.

Beziehend auf Ihre Aussagen über den Mittelstand, welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Beratungskompetenzen, die in den nächsten Jahren die höchste Nachfrage genießen werden?

Empathisch den Transformationsprozess begleiten. Der kulturelle Wandel darf nicht überfordern. Berater*innen müssen das Gespür für aufkommende Unsicherheiten, Ängste und Widerstände entwickeln und über Konzepte verfügen, die zu einem frühen Stadium positiv den negativen Einflüssen entgegenwirken.

Über breitgefächerte Expertise verfügen. Digitalisierung und der Wandel der Unternehmenskultur hat häufig weitreichenden Einfluss auf unterschiedliche Unternehmensbereiche, deshalb ist die holistische Herangehensweise, bzw. die Analyse der gesamten Unternehmenssituation gerade zu Beginn eines Transformationsprozesses bedeutungsvoll, alle Eventualitäten müssen mitberücksichtigt werden. Dazu gehört auch ein tiefgründiges Verstehen der Kunden-/ Unternehmensbedürfnisse, Expertise in unterschiedlichen Bereichen ist hierfür sehr hilfreich.  

Vorbild sein.  Berater*innen sollten sich flexibel zeigen, nach den agilen Prinzipien arbeiten, das agile Mindset vorleben, nur dann kann er/ sie ein glaubwürdiger Begleiter*in des Transformationsprozesses sein und zum „Mitmachen“ motivieren.

Komplexität reduzieren und realistische Ziele mit dem Kunden entwickeln, die zu schnellen, messbaren Erfolgen führen. Sichtbare Ergebnisse motivieren zu einer konsequenten Umsetzung langfristiger Strategien.

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